Ralf H. - Ich bin's bloß ...
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Ich bin's bloß ...
Roman
176 Seiten - 16,00 EUR


Als Filiz ihre neue Stelle an einer Stuttgarter Schule antritt, scheint alles wie immer zu sein. Nur ihr Katerchen, ihre Freundin Loreen und die Eltern sind außerhalb der Arbeit wichtig für sie.

Was um sie herum geschieht, spielt für sie keine große Rolle. Nur der Nachbar wird immer wichtiger.

Doch dann verschwindet eine für Filiz wichtige Person und ihr Leben wird nie wieder sein, wie es einmal war …

ISBN 978-3-949417-00-9
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Der Beginn des Romans:

1


„Ich bin's bloß“, wiederholte er, nachdem er seine Haustür geöffnet hatte. Dann trat er in die Wohnung und verschwand für mich.
Ich erinnere mich noch genau an diese erste Begegnung. Der 22. April war ungewöhnlich sonnig, nachdem es fast eine Woche ununterbrochen geregnet hatte.
Es war mein erster Tag in Stuttgart, mein erster in meinem kleinen Reihenhaus.
Noch war es leer, die Umzugsfirma würde erst morgen Vormittag kommen.
In meinem Leben bin ich häufiger umgezogen, als mir das selbst lieb war, aber so lange überall Lehrer lieber eingespart statt eingestellt wurden, war das wohl unvermeidlich. Eigentlich hatte ich Glück gehabt, dachte ich zumindest damals. Eine Vollzeitstelle, die zu dem Häuschen im Tschaikowskiweg geführt hatte.
Die gestrige Nacht hatte ich in meiner alten, längst ausgeräumten Wohnung zugebracht, in einer Ortschaft, die rund 100 Kilometer von Stuttgart entfernt war. Im Ort selbst hatte ich seit mehreren Jahren keine Stelle gefunden, aber wenigstens waren die Schulen, an denen Aushilfen gebraucht wurden, mit dem Auto meist in nicht mehr als einer Stunde, häufig sogar schneller zu erreichen. Als das Angebot aus Stuttgart kam, eine Schwangerschaftsvertretung zu übernehmen, mit Aussicht auf eine dauerhafte Festanstellung hatte ich nicht lange überlegt und Ja gesagt. Glücklicherweise konnte man mir eine Wohnung vermitteln. Zuerst dachte ich, es wäre ein Einzimmerverschlag und konnte es daher kaum fassen, als sich die Wohnung als kleines Reihenhaus herausstellte. Zu klein für eine Familie mit Kindern, aber gerade richtig für mich. Natürlich war die Wohnung an die Stelle gebunden, aber das Risiko war ich bereit einzugehen. Deshalb kündigte ich meine bisherige Wohnung und bereitete den Umzug vor.
Ich lebe mit einem Kater zusammen, den ich immer nur Katerchen nenne. Eigentlich wollte ich ihm einen anderen Namen geben, aber irgendwann hatte ich festgestellt, das Katerchen uns beiden gefiel und daher blieb es dabei. Er ist optisch ein kleiner Tiger, charakterlich das Gegenteil. In den wenigen Wochen zwischen Vertragsunterzeichnung und Umzug hatte ich viel zu tun. Einerseits musste ich die von mir vertretungsweise unterrichteten Klassen an meine Nachfolger übergeben, die genau wie ich nur eine begrenzte Zeit an der Schule bleiben würden. Andererseits hatte sich in den paar Jahren in meiner Wohnung doch einiges angesammelt. Zunächst fand Katerchen es ziemlich interessant, dass ich Dinge hervorkramte, sichtete und manchmal wegwarf, die ich seit Jahren nicht angefasst hatte. Die offenen Umzugskartons waren für ihn unwiderstehlich. Mehr als einmal wollte ich etwas in einen Karton legen und fand mein Katerchen darin, der es sich bequem gemacht hatte und sichtlich wenig davon angetan war, den Platz wieder verlassen zu müssen. Je häufiger das vorkam, desto merkwürdiger fand Katerchen das. Nachdem dann die ganze Wohnung praktisch nur noch aus Kartons bestand, wurde er misstrauisch. Mein Katerchen war so schlau, dass er am Tag des Umzugs den Braten gerochen und sich bereits früh am Morgen hinter der Kloschüssel versteckt hatte. Es brauchte viel Überredungskunst und eine vorsorglich gekaufte grobe Leberwurst, ihn aus seinem Versteck hervorzulocken. Obwohl er mir vertraute, hatte er offenkundig wenig Lust, die bekannte aber mittlerweile so fremd gewordene Umgebung zu verlassen. Doch ich kannte das bereits von unserem letzten Umzug und stellte seinen Bastkorb auf eine wasserdichte Unterlage. Nach dem letzten Umzug fest vorgenommen, einen an den Seiten blick- und am Boden wasserdichten Transportkorb zu kaufen. Da der Korb aber nicht dringend war, war das in Vergessenheit geraten. Jetzt blieb nichts übrig, als die Konsequenzen zu ertragen. Den Pissgeruch würde ich wochenlang nicht aus dem Auto bekommen.
Nach unserer Ankunft im Tschaikowskiweg brachte ich mein Katerchen ins Badezimmer, das sich im 1. Stock befand und durch ein schräges Fenster mit Sonnenlicht erhellt wurde.
Nachdem ich den Käfig geöffnet hatte, verließ ich den Raum, zog die Tür hinter mir zu und ging nach unten.
Bei der ersten Besichtigung waren die Vormieter, ein junges Paar, das ganz offensichtlich Nachwuchs erwartete und das Haus als zu klein aufgab und gegen etwas Größeres tauschte, noch mit Packen beschäftigt. Überall gab es Kartons, die verglasten Schränke waren teilweise leergeräumt. Damals erschienen selbst große Räume ziemlich klein. Jetzt waren die Wände frisch gestrichen und nackt, nur in der Küche und im Badezimmer waren Möbel zurückgeblieben. Das Haus wirkte kalt und leer.
Das Gebäude selbst ist über die Garage gebaut, die direkt in den Keller übergeht. Zum Hauseingang gelangt man über eine Treppe, die auf einen schmalen, von unten nicht sichtbaren Weg führt, der die Reihenhäuser miteinander verbindet, sodass man für einen Besuch bei den Nachbarn nicht ständig hoch und runterrennen muss. Aus der Küche kann man, wenn man direkt am Fenster steht, auf unsere Sackgasse hinunterschauen.
Der Garten hinter dem Haus schien von den Vormietern gut gepflegt worden zu sein. Man konnte erahnen, dass es hier innerhalb weniger Wochen prächtig blühen würde. Allerdings habe ich weder Händchen für Pflanzen noch Interesse an der Gartenarbeit. Ich hoffte, dass die Pflanzen genügsam waren und auch ohne mein Zutun zurechtkommen würden.
Der Garten war von einem 2 Meter hohen blickdichten Zaun umgeben. Mein Katerchen liebte es, auf einem Balkon zu liegen, war bisher aber niemand, der sich über einen Garten gefreut hätte. Irgendetwas musste in seiner Vergangenheit geschehen sein, dass ihm die Lust auf Natur genommen hatte. Leider hatte ich keine Ahnung, was ihn so sehr geprägt hatte, da er erst vor acht Jahren im Alter von 7 Jahren zu mir gekommen war.



ISBN 978-3-949417-00-9
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